Flyer Homöopathie 6/11

Homöopathie - was ist das eigentlich?

Die Homöopathie ist eine seit mehr als 200 Jahren bekannte, exzellent erprobte Therapieart, die mit besonders zubereiteten (potenzierten) Naturstoffen arbeitet.

Diese Arzneien sind an gesunden Prüfpersonen vielfach in ihren Eigenschaften im Körper erprobt und seitdem immer wieder in ihrer Heilwirkung bestätigt worden.

Samuel Hahnemann

Die erste Arzneimittelprüfung (AMP) der Medizingeschichte führte 1796 der Begründer der homöopathischen Heilmethode, der deutsche Arzt und Pharmakologe Samuel Hahnemann (1755-1843), als Selbstversuch durch.

Wenn man eine arzneilich wirksame Substanz als gesunde Prüfperson einnimmt, entstehen im Körper dem Arzneimittel entsprechende, eigene Wirkungen, die man kurzfristig als „scheinbare Krankheit“, eine „Als-Ob-Krankheit“ wahrnimmt, und die spezifisch und charakteristisch sind für jedes dieser Arzneien.

Das heißt, das Mittel A regt im Körper bestimmte, nur für Mittel A typische Wirkungen an und erzeugt Symptome, die völlig anders sind als die vom Mittel B erzeugten.

Die Kenntnis dieser Arzneimittelwirkungen sind das wichtigste Handwerkzeug des homöopathischen Arztes/Behandlers, um einen kranken Patienten angemessen behandeln zu können.

Die Anwendung der entsprechenden Arznei bei einem kranken Patienten erfolgt nach dem

Simile Prinzip = „Ähnlichkeitsprinzip“

Das Wort Homöopathie – leitet sich vom griechischen Wort „homoios“ - ähnlich und „pathos“ - leiden ab.

Das bedeutet also: der Patient und der Prüfer leiden in ähnlicher Weise, der Patient an seinen Krankheitssymptomen, der Prüfer an den Prüfsymptomen des Arzneimittels.

Es gilt jetzt, das Arzneimittel mit der größtmöglich Ähnlichkeit (zwischen beidem) zu finden, also das Arzneimittel, das in seinen Wirkspektrum aus der Prüfung den Patientensymptomen am deutlichsten entspricht. Die Symptome des Patienten sind also eine Art „Regieanweisung“ zur Mittelfindung.

Das Kernstück zur Feststellung sämtlicher Krankheitsbeschwerden des Patienten, die zu behandeln sind, quasi die „Faktensammlung“, ist die Fallaufnahme (Anamnese). Sie dauert, je nach Schwere der Beschwerden, unterschiedlich lange. Bei chronischen Krankheiten durchaus zwischen 1-3 Stunden, bei akuten Krankheiten entsprechend kürzer.

Anders als in früheren Zeiten, werden heute in unserer Praxis zur Unterstützung Computer und verschiedene Fragebögen zu Hilfe genommen, was nachweislich die Effektivität der Arzneimittelfindung und damit auch die Heilungsquote deutlich verbessert.

Wann und wie wird ein Mensch krank?

Auch Krankheiten entstehen durch Reize, die den Organismus treffen. Dies können Erreger sein (Viren, Pilze, Bakterien), aber auch Zugluft, Unterkühlung und Durchnässung, oder z.B. allergisierende Substanzen.

Ein gesunder Organismus ist imstande, diese Reize unbemerkt zu regulieren und seine Funktion im Gleichgewicht zu halten.

Krank wird man erst, wenn der Körper in seiner Abwehrfähigkeit gestört ist, „empfindlich“ ist oder wird. Man wird dann empfänglicher für Krankheitsreize.

Die Reize, die von außen kommen, erzeugen akute Krankheiten und Infektionskrankheiten (Sonnenstich, Virusgrippe).

Die Reize, die im Inneren des Körpers eine Veranlagung aktiv werden lassen, wecken chronische Krankheiten (Rheuma, Diabetes, Krebs, Hypertonie).

In beiden Fällen wird der Mensch krank und es werden, neben denen für die Diagnose typischen Symptome, individuelle, für ihn charakteristische Krankheitszeichen und -symptome sichtbar.

Entscheidend für eine homöopathische Verschreibung ist, wie der Patient erkrankt, was also für seinen Krankheitszustand typisch und individuell ist und nicht der Name der Diagnose. Bei 10 Patienten mit einer Diagnose(z B. Birkenpollenallergie) ist also jeder Krankheitsfall (der Heuschnupfen) ein „Unikat“, für das man ein „passgenaues Arzneimittel“ bekommt.

Unbeeinflusst durch äußere Faktoren sind sowohl akute als auch chronische Krankheiten homöopathisch schnell, sanft, dauerhaft und sicher behandelbar.

Wenn sie jedoch durch Medikamentengaben oder Selbstbehandlungsversuche beeinflusst sind, ist die homöopathische Behandlung deutlich schwieriger und langwieriger, meist aber möglich.

Wie funktioniert ein homöopathisches Arzneimittel?

Es ist ein Naturgesetz, dass in einem lebenden Organismus jeder Reiz durch einen Gegenreiz beantwortet und damit neutralisiert wird, so dass keine Reizüberflutung das System schädigen kann.

Bei Gabe eines dem Krankheitszustand ähnlichen Arzneimittels, auch „Simile“ genannt, entsteht im Körper, durch die ihm eigene „Lebenskraft“, eine Reaktion auf diesen Reiz, die dann genau entgegengesetzt wirkt. Diese „Antwort“ wirkt durch die Ähnlichkeit von Arznei - und Patientensymptomen auf beide, und sie ist die eigentliche Heilwirkung.

Das homöopathische Arzneimittel fungiert quasi wie „das Starthilfekabel beim Auto“ oder „als Hilfe zur Selbsthilfe“ - die Gabe des Homöopathicums erfolgt nur so oft, bis die erwünschte Erstreaktion (fälschlich oft auch „Erstverschlimmerung“ genannt) der Lebenskraft zu bemerken ist. Dann lässt man den Körper reagieren und seinen Selbstheilprozess vollziehen. Solange ein Organismus zu einer Reaktion auf das Arzneimittel imstande (fähig) ist, kann ein homöopathisches Mittel heilen.

Wie wirkt die "Schulmedizin"?

Das Wirkprinzip der „Allopathie“ ist genau entgegengesetzt:

Contrarii–Prinzip = Gegenteilsprinzip (contrarius =gegenteilig)

Griechisch : allos - anders, verschieden, pathos - leiden

Es gibt ein chemisch hergestelltes „Anti“-mittel (abschwellende Nasentropfen bei Nasenschleimhautschwellung, Blutdrucksenker, Säureblocker, Antirheumatica) für ein Organ oder eine Körperfunktion.

Man nutzt die Hauptwirkung der Eigenschaften des Medikaments für ein krankes Organ oder eine Organfunktion (entwässernde Wirkung durch die Niere). Die Begleiteffekte anderswo im Körper –Nebenwirkungen- nimmt man, zu Gunsten der Hauptwirkung, eher „missbilligend“ in Kauf.

Man nutzt also die gegenteilige Erstwirkung des Medikaments als Heilwirkung. Folglich muss, um die Hauptwirkung des allopathischen Medikaments aufrecht zu erhalten, dieses, entsprechend seiner Abklingrate, wiederholt werden.

Neben diesen Haupt- und Nebenwirkungen wird, besonders nach längerer Anwendung des Medikaments, auch noch das schon oben beschriebene Gesetz der Reizbeantwortung im Körper aktiv, nur eben genau umgekehrt als bei einem homöopathischen Mittel.

Die abschwellende Hauptwirkung der Nasentropfen fordert der Lebenskraft als Antwort ein Anschwellen der Schleimhaut ab, die sich zu der krankheitsbedingten Anschwellung addiert.

Je mehr Nasentropfen man träufelt, umso mehr schwillt folglich die Nase zu, was erklärt, warum bei einer Langzeitbehandlung meist eine Dosis-Steigerung des Medikaments notwendig wird.

Dabei summieren sich aber auch die Nebenwirkungen, und es entstehen dadurch scheinbar neue Krankheitssymptome. Zusätzlich zu der bestehenden natürlichen Krankheit entsteht die sogenannte „Arzneimittelkrankheit“.

Diese erschwert das homöopathische Behandeln sehr, weil man oft nur unvollständig und mit großer Mühe, die echten von den medikamentenbedingten Symptomen unterscheiden kann.

Verlauf der homöopathischen Behandlung

Wenn nach der Anamnese ein passendes Arzneimittel ermittelt worden ist, nimmt der Patient nach Vorschrift ein (auf eine neutral schmeckende Zunge), und beobachtet sorgfältig die Reaktionen, die das Mittel im Körper erzeugt.

Je besser die Beobachtung, umso effektiver ist die Behandlung.

Zeigt sich eine Erstreaktion, deutet das darauf hin, dass der Heilprozess eingeleitet ist.

Dabei ist in akuten Fällen in wenigen Minuten bis Stunden eine Besserung zu erwarten, ohne nennenswerte „Erstverschlimmerung“.

Bei chronischen Erkrankungen ist eine Reaktion binnen 24-48 Stunden zu erwarten, oft auch in Form von Erstverstärkung von Symptomen, der dann nach wenigen Tagen eine Besserung folgt.

Sie sollten sich bei Ihrem homöopathischen Arzt melden wenn

  1. es Ihnen nach anfänglicher Besserung wieder schlechter geht
  2. die Beschwerden fortbestehen
  3. die Beschwerden ihren Charakter ändern
  4. neue Beschwerden entstehen

Es hilft bei der Begutachtung in der Dauer des Heilverlaufs sehr, wenn Sie sich notieren, wann und welches Mittel (mit Potenzzahl) sie eingenommen haben und welche Reaktionen nach der Einnahme entstanden.

Die Wirkdauer eines Arzneimittels hängt vorwiegend vom Potenzierungsgrad und zum Teil von individuellen Faktoren des Patienten ab. Generell gilt:

Je höher die Potenzierung, umso länger wirkt das Mittel und umso seltener ist die Wiederholungsfrequenz. Solange eine gute Wirkung besteht, wird das Mittel auch nicht wiederholt.

Einflüsse auf die homöopathische Kur

Förderlich für die Behandlung ist gesunde Ernährung.

Negativen Einfluss haben heftige „Fehler in der Lebensführung“, (z. B. vermehrter Kaffee oder Alkoholkonsum, dauernder Schlafmangel, intensiver Stress).

Gegen moderaten Konsum dieser Genussmittel ist nichts einzuwenden, nur nicht direkt vor oder nach der Einnahme eines Mittels, da sie durch ihre starke Eigenwirksamkeit eine Wirkungskonkurrenz mit dem Homöopathicum sind.

Dasselbe gilt auch für stark riechende Substanzen wie ätherische Öle, Kampfer, Pfefferminze, Eukalyptus, Menthol (Zahnpasta, Japanisches Heilpflanzenöl, Erkältungsbäder), Anwendung von andern Heilkräutern (Kamillentee) sowie Salbenbehandlung mit Zink-, Schwefel- oder Cortisonanteil. Sie stoppen, verändern oder verschleiern Symptome.

Ähnlich wirken sich Hormonbehandlungen aus (Antibabypille, Wechseljahrsbeschwerden). Diesbezüglich sollte die Behandlung mit Wissen und in Absprache des Arztes geschehen!

Die Fragebogenauswertung

Clemens Maria Franz von Bönninghausen

Die bei der Anamnese erhobenen Gesamtkrankheitssymptome können durch die Anwendung von FB exakter spezifiziert werden.

Neben den „W“-Fragen: z.B.

  • „Wo“ ist der Schmerz (Ohr, Bauch rechts),
  • „wie“ fühlt er sich an (stechend, klopfend, brennend, drückend),
  • „wohin“ strahlt er aus (vom Rücken ins rechte Bein),

haben Beschwerden Modalitäten (Bedingungen), die ihre Eigenschaften besonders charakterisieren:

  • „wann“ oder
  • „wodurch“ werden sie schlechter oder besser (z.B. der Schmerz vom Hexenschuss ist besonders schlimm morgens beim Aufstehen, aber besser nach den ersten Schritten)

Ein Schüler und Freund Hahnemanns, Clemens Maria Franz von Bönninghausen (1785-1864) fand im Verlauf verschiedener Arzeimittelprüfungen die besondere Bedeutung der Modalitäten für die Charakterisierung der Eigenschaften der unterschiedlichen Arzneimittel, und dadurch eine exzellente Möglichkeit der Differenzierung der einzelnen Mittel voneinander.

Bryonia

Die Modalität „Bewegung verschlechtert“ zieht sich „wie ein roter Faden in den Tauen der englischen Marine“1) durch das Arzneimittel Bryonia (die Zaunrübe); in fast allen Prüfsymptomen verschlimmerte Bewegung das Beschwerdebild, selbst Bewegung entfernter Körperteile (wie die Bewegung der Augen bei Kopfschmerzen oder Magenschmerzen beim Gehen), während eine Verbesserung durch Bewegung eines Symptoms von Bryonia nur ganz vereinzelt vorkommt.

Diese Polarität zugunsten der „Verschlimmerung durch Bewegung“ ist so charakteristisch für Bryonia, wie die Erzeugung von „stechenden“ Schmerzen an den verschiedensten Körperteilen.

Man könnte Bryonia als eine „Stechen-bei-Bewegung-Arznei“2) bezeichnen. Deshalb würde Bryonia auch nie in Frage kommen, wenn beim Patienten Schmerzen auftreten, die durch Bewegung besser oder bei Ruhe schlechter werden, selbst wenn sie stechenden Charakter hätten und noch andere Symptome „Bryonia -ähnlich“ wären.

Was ist der Sinn der Fragebögen?

Die Differenzierung der verschiedenen Arzneimittel nach der höchsten „Polaritätendifferenz“ ist Grundlage der Fragebögen. Sie ist sowohl für akute als auch chronische Erkrankungen anwendbar.

Das Mittel, das die höchste Polarität in den Modalitäten für sämtliche relevanten Krankheitsbeschwerden des Patienten aufweist, ist das wahrscheinlich am besten passende. Die Passgenauigkeit eines Mittels wird erst durch die stimmigen Modalitäten sicher (s. das Bryonia Beispiel oben) 3).

Wie sollen die Fragebögen verwendet werden?

Zugegeben, die Arbeit des Ausfüllens der Fragebögen durch den Patienten ist „lästig, aber nützlich“.

Bei einer Organlokalisation eines Symptoms oder eines Beschwerdebildes in einem Organbereich (z.B. bei einer chronischen Nebenhöhlenentzündung mit immer wiederkehrender Verstopfung der Nase (1 oder N) abends im Bett, dabei oft auftretenden Kopfschmerzen (2 od KS) im warmen Zimmer oder beim Bücken, während in frischer Luft die Nase freier und die Kopfschmerzen besser sind, sollen (hier auf dem Fragebogen - Hals Nasen Ohren) nur diejenigen Modalitäten markiert werden, die für diese Zustände passen.

1) von Bönninghausen
2) nach Uwe Plate
3) §133, Organon der Heilkunst

homoeopathie/start.txt · Zuletzt geändert: 2011/08/25 10:34 von constabel